Arbedo-Castione

Geschichte und Tourismus

Sas Wappen

Sas Wappen

Das Wappen der Gemeinde Arbedo-Castione ist in zwei Teile unterteilt: im oberen sind auf hellblauem Grund drei gelbe Sterne und ein weisser laufender Löwe dargestellt, der einen grünen Palmenzweig hält, im unteren Teil eine gelbe Brücke über einen weissen Wasserlauf.
Stemma Arbedo-Castione

Eingehende Erklärungen zum Gemeindewappen

An diesem Punkt angelangt scheint es angebracht, einen Moment beim Wappen zu verweilen, das das Banner der Gemeinde ziert, es wurde kurz vor Beginn der Festivitäten, die in Bellinzona zur würdigen Feier der 150jährigen Tessiner Unabhängigkeit abgehalten wurden, eingeweiht und gesegnet.

Das Wappen wurde vom heraldischen Institut Gaston Cambim aus Lugano von offiziellen Schriften der Gemeinde übernommen, die nach der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts verwendet und später vergessen, oder besser aufgegeben wurden.

Die Einweihungs- und Segnungszeremonie wurde am Sonntag den 17. Mai 1953 in Arbedo abgehalten, die Paten waren auf der einen Seite Herr Otto Scerri, ein verdienstvoller Patrizier und auf der anderen Seite Frau Gemma Tami-Solari, Ehefrau des Präsidenten des Patriziats, Herrn Giovanni.

Unter den Standardansprachen, die dabei gehalten wurden, war die Rede vom damaligen Bürgermeister Ercole Brunetti von besonderem Interesse, er sagte unter anderem Folgendes:

«Das Motiv, das das Emblem vor mehr als einem Jahrhundert geprägt hat, hat seinen Ursprung in einer historischen Gegebenheit, die mehrere Jahrhunderte zurückliegt, genauer gesagt in der Zeit, als die Herzoge von Mailand über unsere Ländereien herrschten. Es war um das letzte Viertel des 14. Jahrhunderts, als der Herzog von Mailand jenem Bartolomeo Muggiasca aus Bellinzona, einem Seidengrosshändler von Mailand bis Luzern, das Recht einräumte, einen Fischteich unter der jetzigen Brücke über die Moesa zu erstellen und zu nutzen. Der Teich, damals allgemein “Nassaro” genannt, wurde noch einige Jahrhunderte später genutzt, was die Einwohner von Arbedo ärgerte, obwohl es zu jener frühen Zeit keinerlei Gesetzgebung bezüglich der Fischerei entlang der Flussläufe gab, die Gemeinde fühlte sich in ihrem rechtmässigen Anspruch auf das Fischereirecht und dessen Ausübung eingeschränkt, was viele am Fluss Moesa und anderen Flüssen gelegenen Gemeinden übernommen hatten. Nach dem Ende der herzöglichen Vorherrschaft wurde die Ausübung der Fischereitätigkeit im Fischteich fortgeführt und alle neun Jahre vom Rathaus von Bellinzona neu vergeben. Der Protest der Einwohner von Arbedo und die natürliche Reaktion gegen die Nutzung des Fischteichs wurden immer lauter, beharrlicher und hörbarer, bis zu dem Punkt, an dem unter anderem ein Gemeindewappen ausgewählt wurde, auf dem eine Brücke über die Moesa dargestellt ist, auf seinem Geländer steht ein Löwe, umgeben von einem Kranz aus drei Sternen, dieses Motiv stellt die den starken, eisernen Willen der Bewohner von Arbedo dar, mit Nachdruck und mit himmlischer Unterstützung die eigenen Rechte zu verteidigen».

Dieser Teil der vom Bürgermeister vorgetragenen Rede passte dem aufmerksamen und kritischen Gelehrten der Wappenkunde und Geschichte Alfredo Lienhard-Riva nicht, der nach einiger Zeit folgendes schrieb (44):

«Der Redner hat vergessen zu sagen, dass der furchtbare Löwe als Rächer einen Palmenzweig in der Hand hält, ein offensichtliches Zeichen des Friedens und bürgerlicher Eintracht. Aber nicht dafür gebe ich ihm die Schuld, sondern für die Ungenauigkeiten, die in seiner Erzählung enthalten sind.

Die wahren und nachweislichen Tatsachen, die in der für jeden zugänglichen Dokumentation beschrieben sind, der sich die Mühe macht das “Bollettino Storico” (Geschichtsblatt) von Emilio Motta oder die “Briciole di storia bellinzonese” (Brosamen der Geschichte Bellinzona’s) von Prof. Giuseppe Pometta zu lesen, um nur die wichtigsten Quellen zu nennen, sind folgende;

1. In der frühen Geschichte bildete Castione eine einzige Gemeinde mit Lumino, wurde zur selbständigen Kirchengemeinde im Jahr 1626 und wurde erst im Jahr 1820 der Gemeinde Arbedo angeschlossen, als es den Fischteich auf der Moesa bereits seit langer Zeit nicht mehr gab.

2. Die Familie Muggiasca aus Bellinzona, die in den ersten Jahrzehnten des 1400 aus Como kam, hatte nachweislich ihren festen Wohnsitz in Castione, was das Wappen zeigt, das sich auf einer Säule im Hof des Hauses Lafranchi befindet und aus dem XV, Jahrhundert stammt. Unter den Nachbarn aus Castione befindet sich ein «Francesco Mugiasca», der 1768 Konsul von Castione war. Sein Sohn Giuseppe lebte 1792 in Castione.

3. Das Fischereirecht war eines der vielen Geschenke des Lehnsherrn. Wenn dieses Recht vergeben wurde, wurde der Begünstigte der absolute Eigentümer. Nur ein Rückkauf konnte ihm dieses Eigentumsrecht nehmen.

4. Am 5. Juni 1460, fällte Francesco Sforza, Herzog von Milano, ein Urteil im Streit zwischen Castione und Lumino und der Familie Muggiasca bezüglich des Verkaufs und der Abgabe von “Sägewerken und Mühlen”. Mit dem Dekret vom 30. Juli 1461 gab der Herzog Bartolomeo «de Mugiasca», wohnhaft in Bellinzona, die Konzession einen Fischereiteich in der Moesa anzulegen (siehe Satzungen von Bellinzona, Druck I., Seite 78, des Herrn Heusler aus Basel). Dieser befand sich nicht bereits “unter der bestehenden Brücke über die Moesa”, sondern weiter Tal aufwärts, auf dem Gebiet von Lumino-Castione …. . .».

Die Quellen und die Argumente, die Lienhard zur Unterstützung seiner Thesen vorbrachte, waren unanfechtbar, aus diesem Grund gibt es wirklich einige Ungenauigkeiten in der Rede des Bürgermeisters. Aber welche andere Interpretation des “Tessiner Armorials” könnte man dem Wappen geben, denn der Autor des “Tessiner Armorials” war nicht im Stande dieser eine alternative Interpretation entgegenzustellen? Wir wagen eine Interpretation, ohne auf deren Wahrheit zu bestehen, auch wenn wir finden, dass sie geschichtlich mehr als begründet ist. Deshalb:

1. Das Wappen wird von der Gemeinde Arbedo im Jahr 1850 übernommen, etwa 30 Jahre nach dem Zusammenschluss. Es wurde übernommen, nachdem die Streitigkeiten mit Lumino gütlich beigelegt worden waren.

2. Die Brücke über die Moesa, deren Pfeiler im Norden auf dem “alten” Gebiet von Castione stehen und im Süden auf dem von Arbedo, symbolisiert die vorangegangene Vereinigung der beiden Gemeinden und der Löwe auf der Brücke mit dem Palmenzweig den erreichten Frieden und die Einigkeit zwischen dem vereinten Gebiet und Lumino.

Die drei Sterne würden letztendlich nicht den “himmlischen Schutz” symbolisieren, sondern die drei Gemeinden, Arbedo, Castione und Lumino, die sich früher feindlich gegenüberstanden und dann befreundet wurden, oder – andere Hypothese – Arbedo und seine zu jener Zeit grössten Fraktionen Molinazzo und Castione.

Abgesehen davon möchten wird darauf hinweisen, dass in der Wappenlehre Sterne für gewöhnlich Ortschaften oder Fraktionen von Ortschaften darstellen und der Palmenzweig wird als Zeichen für “Den Sieg und den dadurch erreichten Frieden” benutzt, wie es sich in unserem Fall darstellt. Auf der anderen Seite ist es undenkbar, dass die Bewohner von Arbedo vor mehr als einem Jahrhundert, als die “Kirchturmpolitik” noch sehr stark in der Seele unseres Volkes verankert war, akzeptiert hätten, dass auf ihrem Wappen eine geschichtliche Gegebenheit dargestellt wird, die hauptsächlich Castione betrifft, wenn man zum Beispiel genauso gut auf die Schlacht von 1422 oder auf die schöne, typische und bedeutende Kirche von San Paolo hätte zurückgreifen können, die seit den fünfziger Jahren auf den Waffen des Patriziats von Arbedo-Castione dargestellt ist, «. . . begleitet durch eine silberne Hellebarde mit rotem Griff in der oberen linken Ecke und in der Spitze durch einen silbernen Knüppel mit rotem Griff ». (45).